Warum die Girocard den Alltag regelt und die Kreditkarte den Rest
Die Bundesbank erhebt regelmäßig, wie in Deutschland bezahlt wird. Das Ergebnis verschiebt sich nur langsam: Bargeld und Girocard tragen weiterhin die Mehrheit der Zahlungen im Laden, Kreditkarten liegen deutlich dahinter. Für den Alltag heißt das, das Girokonto mit Girocard reicht für Miete, Wocheneinkauf und den Bäcker um die Ecke. Rewe, Edeka, Lidl und Aldi nehmen inzwischen Visa und Mastercard an. Kleine Bäckereien, Kioske und Wochenmärkte oft nicht, dort gilt unter einem kleinen Betrag häufig Bargeld oder Girocard.
Wer trotzdem eine Kreditkarte braucht, braucht sie für bestimmte Situationen. Mietwagenfirmen verlangen eine echte Kreditkarte für die Kaution. Hotels und Ferienwohnungen sichern Buchungen damit ab. Fluggesellschaften, Online-Shops und Abos laufen einfacher über Karte. Und wer später einen Immobilienkredit beantragen will, baut mit einer Karte, die bei der SCHUFA gemeldet ist, eine Zahlungshistorie auf.
Der zweite Punkt, den Zugezogene oft falsch einschätzen: Eine Kreditkarte in Deutschland ist meist keine revolvierende Karte im US-Sinn. Viele Tarife buchen am Monatsende 100 Prozent des Saldos vom Girokonto ab. Teilzahlung ist möglich, kostet aber Zinsen. Effektive Jahreszinsen liegen bei den meisten Angeboten zwischen rund 18 und 25 Prozent. Wer die Karte als Kredit über Monate nutzt, zahlt das mit.
Ein dritter Faktor ist die SCHUFA. Sie prüft bei fast jedem Antrag die Bonität, seit dem Frühjahr mit einem offengelegten Score von 100 bis 999 Punkten. Fehlt der Eintrag oder ist er dünn, wird der Antrag häufiger abgelehnt. Genau dort trennt sich, welche Karte zu welcher Lebenslage passt.
Kartentypen im Vergleich
| Kartentyp | Beispiele | Jahresgebühr | Fremdwährungsgebühr | Bargeld im Ausland | Passt zu | Schwachpunkt |
|---|
| Debitkarte auf Guthabenbasis | Deutsche Bank Mastercard Debit, N26 Debit | 0 bis 18 € | je nach Anbieter, teils 0 % | teils kostenpflichtig | Einsteiger, Studierende, Menschen ohne lange Bonitätshistorie | keine echte Kreditfrist, Kaution beim Mietwagen nicht überall akzeptiert |
| Kreditkarte ohne Jahresgebühr | Advanzia Mastercard Gold, Barclays Visa, Hanseatic GenialCard | 0 € | 0 % | 0 % | Reisende, Online-Käufe, Alltag | hohe Sollzinsen bei Teilzahlung |
| Karte mit Versicherungspaket | Deutschland Kreditkarte Gold, Hanseatic GoldCard | 0 € im ersten Jahr, danach rund 35 bis 45 € | 0 bis 2 % | 0 € | Vielreisende, die Reiseversicherung mitdenken | Kosten ab dem zweiten Jahr |
| Filialbank-Karte | Deutsche Bank Mastercard Gold | rund 18 bis 94 € | laut Preisverzeichnis | laut Preisverzeichnis | Beratung vor Ort, persönlicher Kontakt | teuerste Gruppe im Vergleich |
| Prepaid ohne SCHUFA-Prüfung | PayCenter SupremaCard, N26 Prepaid | 0 bis 79 € | 0 bis 1,7 % | 0 bis 5 € pro Abhebung | volle Kostenkontrolle, kein SCHUFA-Eintrag | Guthaben muss vorher aufgeladen werden |
| Karte mit Markenbindung | Volkswagen Visa | 33 € | 1,75 % | 3 %, mindestens 5 € | Cashback in Partnershops | Zusatzkosten außerhalb der Eurozone |
Vier Situationen, vier Lösungen
Sarah aus Köln hatte für eine Portugal-Reise einen Mietwagen gebucht und am Schalter ihre Debitkarte vorgelegt. Das Reservierungssystem akzeptierte sie nicht, die Kaution sollte über eine Kreditkarte mit freiem Kreditrahmen laufen. Sie musste umbuchen und zahlte mehr. Ihre Lösung: eine Kreditkarte ohne Jahresgebühr mit Revolving-Limit, die sie vor der nächsten Reise beantragte und deren Limit sie vor Abflug prüfte. Wichtig ist dabei das verfügbare Limit, nicht das Kartenlimit insgesamt. Die Kaution blockiert einen Teil davon oft für Wochen.
Markus, Werkstudent in Aachen, bekam auf zwei Anträge eine Absage. Sein Einkommen ist unregelmäßig, die SCHUFA-Historie kurz. Er wechselte auf eine Debitkarte mit Mastercard-Logo und zusätzlich eine virtuelle Prepaid-Karte für Online-Käufe. Die Prepaid-Kreditkarte ohne SCHUFA-Prüfung kostet je nach Anbieter eine Jahresgebühr, bei der SupremaCard liegt sie bei 79 €, dafür bleibt der Rahmen kontrollierbar. Für ihn war das der Weg, ohne Bonitätsprüfung überhaupt erst einmal online buchen zu können.
Ein dritter Fall betrifft die Rechnung, die viele übersehen. Eine Karte ohne Jahresgebühr ist nicht automatisch die günstigere. Wer zwei Wochen außerhalb der Eurozone unterwegs ist und dort mit Karte zahlt, kann mit einer Fremdwährungsgebühr von knapp 3 Prozent mehr verlieren als eine Karte mit 35 Euro Jahresgebühr kostet. Umgekehrt gilt: Wer nur in Deutschland und im Euroraum zahlt, fährt mit der kostenlosen Variante fast immer besser. Vor dem Abschluss lohnt sich ein Blick auf beide Posten, Jahresgebühr und Fremdwährungsgebühr, plus die Gebühr für Bargeldabhebung im Ausland.
Regionale Unterschiede gibt es auch. In Berlin-Mitte, Hamburg-Eimsbüttel und der Münchner Innenstadt nehmen die meisten Cafés und Läden inzwischen kontaktlos Visa und Mastercard. In kleineren Orten, etwa im ländlichen Mecklenburg oder in Teilen des Ruhrgebiets, trifft man an Kiosken und Bäckereien häufiger auf reine Girocard-Terminals. Das ändert nichts an der Kartenwahl, aber an den Erwartungen an den Alltag.
American Express ist in Deutschland akzeptiert, aber deutlich seltener als Visa und Mastercard. Für Supermärkte und Tankstellen reicht das meist, für den Bäcker oder den Kiosk selten. Wer eine Amex als einzige Karte einplant, sollte eine zweite Karte mit Visa- oder Mastercard-Logo dabeihaben.
So gehen Sie den Antrag an
- Bedarf aufschreiben, nicht raten. Mietwagen, Flugbuchungen, Online-Käufe, Auslandsreisen, Bargeldabhebung. Erst danach lässt sich sagen, ob eine Kreditkarte ohne Jahresgebühr reicht oder ein Versicherungspaket den Aufpreis wert ist.
- Eigene SCHUFA-Datenkopie anfordern. Das ist kostenlos und zeigt, welche Einträge bestehen. Wer sie kennt, beantragt nicht blind.
- Unterlagen bereitlegen: Personalausweis oder Reisepass, Einkommensnachweis der letzten Monate, IBAN des Girokontos. Fehlt ein Dokument, zieht sich die Bearbeitung oft um Tage.
- Identität bestätigen. VideoIdent, PostIdent oder eIdent, je nach Anbieter. Der Antrag selbst ist online in wenigen Minuten ausgefüllt.
- Rückzahlung festlegen. Lastschrift mit 100 Prozent vermeidet Zinsen. Teilzahlung nur, wenn sie wirklich geplant ist. Die Zinssätze unterscheiden sich deutlich zwischen Anbietern.
- Vor Ort nachfragen, wenn etwas unklar ist. Die Verbraucherzentrale in den Landeshauptstädten führt Checklisten zu Kartenverträgen. Filialen von Sparkassen und Genossenschaftsbanken beraten auch zu Debitkarten, die ohne Bonitätsprüfung ausgegeben werden.
Für Menschen mit schwacher Bonität oder ohne SCHUFA-Eintrag bleibt die Prepaid-Variante der pragmatische Weg. Sie funktioniert im Ausland an den meisten Automaten und Geschäften, verlangt aber Disziplin beim Aufladen. Wer regelmäßig reist, sollte prüfen, ob ein Produkt mit Kreditrahmen und monatlicher Vollzahlung nicht doch die bessere Wahl ist.
Wer die Karte erst dann beantragt, wenn der Mietwagen schon gebucht ist, verliert Tage. Zwei Wochen Vorlauf sind realistisch, vom Online-Antrag bis zur Karte im Briefkasten. Ein Blick auf den eigenen Bedarf, eine SCHUFA-Datenkopie und drei Angebote im Vergleich reichen meist aus, um die Entscheidung sauber zu treffen.