Warum die Kreditkarte hier anders funktioniert
Deutschland ist Kartenland, aber mit einem eigenen System. Die jüngste Erhebung der Deutschen Bundesbank zum Zahlungsverhalten zeigt: 55 Prozent aller Einkäufe werden inzwischen bargeldlos beglichen, 45 Prozent bar. Debitkarten, allen voran die girocard, kommen auf 26 Prozent aller Transaktionen. Bei den Umsätzen führt die Debitkarte mit 28 Prozent, Bargeld und Überweisung liegen bei je 23 Prozent.
Die Infrastruktur dahinter ist gewachsen. Rund 1,4 Millionen Terminals akzeptieren die girocard, im ersten Halbjahr wurden dort über vier Milliarden Zahlungen abgewickelt. Der durchschnittliche Einkauf liegt bei etwa 36 Euro. Kontaktlos zahlen ist mit über 90 Prozent der Transaktionen längst Normalität, auch beim Betrag unter fünf Euro. Genau das erklärt, warum viele Haushalte die Frage nach einer Kreditkarte erst spät stellen.
Im Inland gibt es trotzdem Lücken. Große Handelsketten, Tankstellen, Hotels und die meisten Online-Shops nehmen Visa und Mastercard selbstverständlich an. Kleine Bäckereien, Imbissbetriebe, Wochenmärkte und manche Ladenlokale arbeiten weiterhin mit Bargeld oder nur mit der girocard. Ein Aufschlag für Kartenzahlung ist hierzulande nicht zulässig, ein Mindestumsatz dagegen schon. Der Einkauf für 4,80 Euro scheitert dann an einer Grenze, die auf dem Schild an der Kasse steht.
Dazu kommt eine zweite Baustelle: Viele Banken haben Maestro-Karten durch Debit-Mastercard oder Visa Debit ersetzt. Diese Karten funktionieren im Ausland und im Netz deutlich besser, buchen aber sofort ab. Wer für Mietwagen, Hotelzimmer oder Buchungsportale eine echte Kreditkarte braucht, merkt den Unterschied schnell. Die Debitkarte blockiert die Kaution direkt auf dem Konto, und der Puffer für das Urlaubsbudget fehlt an anderer Stelle.
Drei Punkte, an denen es in der Praxis hakt
Der erste Punkt ist die Akzeptanz. Sie ist nicht schlecht, aber ungleich verteilt. In einer Großstadt wie Köln oder Berlin zahlen Sie fast überall mit Karte, auf dem Dorf in der Eifel oder an der Ostseeküste außerhalb der Saison brauchen Sie Bargeld als Rückfallebene.
Der zweite Punkt sind die Kosten im Ausland. Vergleichsportale und Verbraucherschützer beziffern das Auslandseinsatzentgelt bei vielen Hausbanken auf 1,5 bis 2,5 Prozent des Umsatzes, teils mit Mindestbetrag pro Transaktion. Bei 2.000 Euro Reisebudget sind das schnell 35 bis 50 Euro, die niemand auf dem Kontoauszug als eigene Zeile sieht.
Der dritte Punkt ist die Auswahl. Jahresgebühr, Abrechnungsart, Abhebeentgelte und Versicherungspakete ergeben Dutzende Kombinationen. Wer nur nach dem Kartendesign entscheidet, zahlt später für Leistungen, die er nie nutzt.
Ein Beispiel aus der Beratung: Sarah, 34, Projektmanagerin in Hamburg, bucht jedes Jahr zwei Fernreisen und ein Mietauto. Ihre Hausbankkarte kostete 1,75 Prozent Auslandseinsatzentgelt. Nach dem Wechsel auf eine Kreditkarte ohne Jahresgebühr mit 0 Prozent Auslandseinsatzentgelt blieb von ihrem Reisebudget spürbar mehr übrig. Die alte Karte behielt sie für den Alltag.
Für Familien sieht die Rechnung anders aus. Familie Weber aus Leipzig nutzt die girocard für Einkäufe und eine günstige Zweitkarte für den Onlinehandel und den Urlaub. Wichtig war beiden: kein Ratenkredit im Hintergrund, sondern vollständige monatliche Abrechnung. Ein Mietwagen in München war der Auslöser, weil der Vermieter eine Kreditkarte auf den Namen des Fahrers verlangte und die Debitkarte der Sparkasse nicht akzeptierte.
Karten im Vergleich
| Kartentyp | Typische Kosten | Sinnvoll für | Vorteile | Grenzen |
|---|
| Girocard | meist in der Kontoführung enthalten, teils wenige Euro jährlich | Alltag im Inland, kleine Beträge | sehr hohe Akzeptanz im Land, sofortige Abbuchung | im Ausland und im Netz oft nur mit Zusatzfunktion nutzbar |
| Debit-Mastercard oder Visa Debit | ohne Jahresgebühr bei vielen Konten; Auslandseinsatz je nach Bank 0 bis 2,5 Prozent | Reisen, Online-Shopping, bargeldloses Zahlen weltweit | weltweite Akzeptanz, direkte Abbuchung, volle Kostenkontrolle | keine Sammelabrechnung, Kautionen belasten sofort das Konto |
| Kreditkarte ohne Jahresgebühr (etwa Advanzia Mastercard Gold, TF Bank Mastercard Gold, Barclays Visa) | 0 Euro Jahresgebühr, häufig 0 Prozent Auslandseinsatzentgelt | Reisende, die eine echte Kreditkarte brauchen | Mietwagen und Hotels, weltweite Nutzung ohne Jahreskosten | Teilzahlung wird mit hohen Sollzinsen teuer, Leistungsumfang schlanker |
| Kreditkarte mit Reiseleistungen (Hausbank, Miles & More) | Jahresgebühr im zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Eurobereich, Auslandseinsatz häufig 1,75 Prozent, mindestens 1,50 Euro | Vielflieger, Familien mit Versicherungsbedarf | Reiseversicherungen, Service vor Ort, Meilen oder Bonusprogramme | Kosten nur bei tatsächlicher Nutzung der Extras gerechtfertigt |
| Ratenkarte mit Teilzahlungsoption | ohne oder geringe Jahresgebühr, Sollzinsen im mittleren bis hohen zweistelligen Prozentbereich | größere Anschaffungen mit Rückzahlungsplan | flexible Rückzahlung, Kaufanpassung möglich | Zinskosten laufen mit, Gesamtkosten steigen schnell |
Bei allen Zahlen gilt: Die Konditionen der Banken ändern sich regelmäßig. Prüfen Sie vor dem Abschluss das Preis- und Leistungsverzeichnis des Anbieters, nicht die Zusammenfassung auf einer Vergleichsseite.
So gehen Sie vor
Klären Sie zuerst den Zweck. Wer nur im Inland einkauft, kommt mit girocard und einer Debitkarte für den Onlinehandel weit. Wer reist, Mietwagen bucht oder häufig im Ausland zahlt, braucht eine echte Kreditkarte. Diese Unterscheidung spart Geld und Ärger.
Vergleichen Sie dann drei Werte, nicht zwanzig. Jahresgebühr, Auslandseinsatzentgelt und Abhebeentgelt am Automaten. Alles andere ist Zugabe.
Stellen Sie die Abrechnung auf Vollzahlung. Die Bequemlichkeit der Teilzahlung kostet Zinsen, und die effektiven Sätze liegen deutlich über denen eines gewöhnlichen Ratenkredits.
Beantragen Sie die Karte direkt beim Anbieter. Der Antrag läuft online, die Identität bestätigen Sie per VideoIdent, PostIdent oder über die Online-Funktion des Personalausweises. Rechnen Sie mit wenigen Tagen bis zwei Wochen, bis die Karte ankommt. Bei einer Ablehnung lohnt ein Blick in die SCHUFA-Selbstauskunft, bevor Sie den nächsten Antrag stellen. Mehrere Anfragen in kurzer Zeit wirken sich ungünstig aus.
Lokale Anlaufstellen für eine zweite Meinung: die Beratungsstellen der Verbraucherzentrale, die Tests der Stiftung Warentest im Bereich Finanzdienstleistungen und das Kreditkarten-Beratungsangebot Ihrer Sparkasse oder Genossenschaftsbank vor Ort. In Frankfurt, Düsseldorf und München sitzen zudem viele Direktbanken mit Sitz in Deutschland, was bei Servicefragen im Inland hilft.
Was am Ende zählt
Eine Kreditkarte ist in Deutschland kein Statussymbol, sondern ein Werkzeug. Sie ersetzt die girocard nicht, sie ergänzt sie. Die Kombination aus Debitkarte für den täglichen Einkauf und einer gut gewählten Kreditkarte für Reisen deckt fast jede Situation ab, ohne dass Sie für ungenutzte Extras zahlen.
Achten Sie auf die Abrechnungsart, prüfen Sie das Auslandseinsatzentgelt und halten Sie eine zweite Karte als Reserve bereit, getrennt von der ersten aufbewahrt. Das sind drei Gewohnheiten, die im Ernstfall mehr bringen als jede Bonusaktion.
Nehmen Sie sich einen Abend im Jahr Zeit, um Ihre Karten durchzusehen. Vertragslaufzeiten, geänderte Entgelte und neue Anbieter am Markt sorgen dafür, dass die Karte von vor drei Jahren selten noch die beste Wahl ist. Ein Kreditkarte Vergleich mit den eigenen Ausgaben der letzten zwölf Monate zeigt schnell, ob ein Wechsel sich lohnt. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie bei Ihrer Bank nach einer schriftlichen Aufstellung der anfallenden Entgelte. Das ist ein normales Anliegen und wird in der Regel zügig beantwortet.