Warum hierzulande oft die girocard gewinnt
Die Deutsche Bundesbank veröffentlicht regelmäßig Zahlen zum Zahlungsverhalten, und das Bild ist seit Jahren stabil: Bargeld und girocard tragen den Großteil der Einkäufe im Laden, Kreditkarten liegen deutlich dahinter. Das ist kein Nebenschauplatz, sondern der Grund, warum viele Haushalte ihre Visa nur für Flüge und Onlinebestellungen hervorholen. Rewe, Edeka, Aldi und Lidl nehmen Visa und Mastercard inzwischen an, doch kleinere Bäckereien und Kioske bleiben bei Barzahlung oder girocard, gerade bei Beträgen unter zehn Euro. Wer aus einem Land kommt, in dem die Kreditkarte selbst am Kaffeestand funktioniert, lernt das in der ersten Woche.
Dazu kommt ein zweiter Unterschied, der mehr Geld kostet als die Akzeptanzfrage. In Deutschland ist die girocard eine Debitkarte, die direkt vom Girokonto abbucht. Die Karte mit Visa-Logo, die viele Banken zum Konto dazugeben, ist häufig ebenfalls eine Debitkarte, auch wenn sie wie eine klassische Kreditkarte aussieht. Für den Mietwagen in München oder den Hotelaufenthalt in Hamburg reicht das oft nicht, weil Vermieter eine Kaution auf einer echten Kreditkarte blocken wollen. Wer nur mit Debitkarte anreist, steht dann am Schalter und verhandelt.
Ein drittes Problem sitzt tiefer in den Bedingungen. Karten ohne Jahresgebühr sind in Deutschland weit verbreitet, doch ein Teil davon ist ein Revolving-Modell. Die monatliche Abrechnung ist dann auf Teilzahlung voreingestellt, und wer nicht aktiv den vollen Betrag überweist, zahlt Zinsen. Die Sätze liegen bei den günstigeren Anbietern nach eigenen Angaben zwischen etwa 16 und 17 Prozent, bei anderen Modellen bis über 25 Prozent pro Jahr. Diese Kosten tauchen selten im Werbetext auf, aber sie stehen im Preis- und Leistungsverzeichnis.
Wo die Gebühren tatsächlich entstehen
Drei Posten entscheiden, ob eine Karte günstig bleibt: der Auslandseinsatz, das Abheben am Automaten und die Zinsen bei Teilzahlung. Der Auslandseinsatz ist der Aufschlag, den die Bank auf jeden Umsatz in Fremdwährung legt. Bei manchen Karten liegt er bei null, bei anderen zwischen 1,75 und 2 Prozent. Bei 3.000 Euro Kartenumsatz im Urlaub sind das schnell 50 bis 60 Euro, also mehr als eine Jahresgebühr von 60 Euro.
Beim Bargeld wird es unübersichtlicher. Einige Anbieter verlangen im Inland eine Pauschale von rund 4 Euro pro Abhebung, American Express rechnet nach eigenen Angaben 4 Prozent, mindestens 5 Euro. Andere Karten geben Geld im Ausland ohne Aufschlag ab, im Inland dagegen nur am Automaten des eigenen Bankenverbunds. Die Frage lautet also nicht "Kreditkarte oder nicht", sondern "welche Karte für welchen Zweck".
| Karte (Anbieter) | Typ | Jahresgebühr | Auslandseinsatz | Bargeld | Passt zu / Nachteil |
|---|
| DKB Visa | Debit | 0 € | 0 % für Aktivkunden | im Ausland ohne Gebühr für Aktivkunden | Alltag und Reisen mit DKB-Girokonto; Aktivstatus braucht monatlichen Geldeingang |
| Barclays Visa | Kreditkarte, Revolving | 0 € | 0 % | im Ausland ohne Gebühr | Reisende ohne Kontowechsel; kein Cashback, Erreichbarkeit begrenzt |
| TF Mastercard Gold | Kreditkarte, Revolving | 0 € | 0 % | im Ausland ohne Gebühr | preisbewusste Vielnutzer; Zins bei Teilzahlung über 25 % |
| Hanseatic GenialCard | Kreditkarte, Revolving | 0 € | Bedingungen beim Anbieter prüfen | im Inland rund 3,95 € pro Abhebung | flexible Nutzung ohne Kontobindung; Teilzahlung als Standardeinstellung möglich |
| Santander BestCard Smart | Kreditkarte, Revolving | 0 € | 1,75 % | im Inland ohne Gebühr | solide Basiskarte; Auslandseinsatz wird fällig |
| American Express Gold | Charge Card | 240 € | 2 % | 4 %, mindestens 5 € | Punkte, Versicherungen, Geschäftsreisen; geringere Akzeptanz im Alltag |
Die Werte stammen von den Anbieterseiten und Preisverzeichnissen, Stand der Recherche ist der Herbst dieses Jahres. Konditionen ändern sich, deshalb lohnt der Blick in das aktuelle Preis- und Leistungsverzeichnis vor der Unterschrift.
Drei Lebenslagen, drei Kartenprofile
Eine Reisende aus Leipzig, die zweimal im Jahr mit dem Mietwagen nach Österreich fährt, braucht eine echte Kreditkarte für die Kaution und eine zweite Karte ohne Auslandsaufschlag für Tanken und Abendessen. Bei ihr scheitert die günstigste Lösung meist daran, dass sie nur eine Debitkarte im Portemonnaie hat. Eine Kreditkarte mit Mietwagenversicherung in Deutschland klingt verlockend, doch der Teufel steckt in der Reihenfolge: Viele Policen sind sekundär, zahlen also erst, wenn die private Versicherung abgelehnt hat. Wer den Mietwagen ohnehin über die eigene Haftpflicht absichert, sollte prüfen, ob der Tarif primär greift, sonst bleibt die Selbstbeteiligung von 200 bis 500 Euro am Urlaubenden hängen.
Ein Student in Berlin tickt anders. Er bestellt Bücher und Bahntickets online, reist selten, hat kein regelmäßiges Gehalt. Eine klassische Kreditkarte ohne Schufa-Prüfung gibt es in Deutschland praktisch nicht, weil Banken bei Kreditrahmen die Bonität prüfen. Realistisch sind Debitkarten und Prepaid-Karten mit Aufladung, die auch bei angespannter Bonität funktionieren. Für ihn zählt weniger der Zins als die Frage, ob die Karte im Ausland akzeptiert wird und ob eine Aufladegebühr anfällt.
Der dritte Typ sitzt in Köln, reist geschäftlich, sammelt Punkte und will Versicherungen für Flug und Gepäck. Für ihn ist die Rechnung anders: 240 Euro Jahresgebühr sind bei zehn Auslandsreisen schnell wieder eingespielt, wenn Lounge, Versicherung und Meilen zusammenkommen. Nur im Supermarkt um die Ecke bringt ihm die Karte wenig, weil American Express dort seltener akzeptiert wird als Visa oder Mastercard.
Vier Schritte zur passenden Karte
Der erste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme. Notieren Sie zwei Monate lang, wo Sie zahlen: im Laden mit girocard, online mit Karte, im Urlaub am Automaten, beim Mietwagen. Wer dabei feststellt, dass 80 Prozent der Umsätze im Inland liegen, braucht keine Karte mit Meilenprogramm.
Der zweite Schritt ist die Klärung des Kartentyps. Debit, Charge oder Revolving, das entscheidet über Kaution, Zinsen und Abrechnung. Ein Blick auf den Kontoauszug zeigt, ob die Abbuchung sofort erfolgt oder gesammelt am Monatsende.
Der dritte Schritt ist eine kurze Rechnung mit echten Zahlen. Nehmen Sie Ihren Jahresumsatz in Fremdwährung, multiplizieren Sie ihn mit dem Auslandseinsatz und addieren Sie die Jahresgebühr. Bei 4.000 Euro Auslandsumsatz und 1,75 Prozent Aufschlag zahlt man 70 Euro, eine Karte mit 60 Euro Jahresgebühr und null Prozent Aufschlag wäre günstiger. Diese Rechnung passt auf einen Bierdeckel und ersetzt jeden Vergleichsartikel.
Der vierte Schritt betrifft das Kleingedruckte. Prüfen Sie, ob Teilzahlung voreingestellt ist, wie Sie die Karte kündigen und ob eine Kontobindung besteht. Kreditkarte beantragen mit Girokonto bei derselben Bank ist bequem, bindet aber den Wechsel. Wer später die Bank wechselt, soll die Karte separat kündigen, sonst bleibt die Gebühr bestehen.
Als lokale Anlaufstellen lohnen sich die Beratungsstellen der Verbraucherzentralen, die regelmäßig zu Kartenkosten informieren, sowie die Vergleichsstudien von Stiftung Warentest. Für Vertragsunterlagen und Videoident-Regeln hilft die Anbieterseite selbst, weil sich Identverfahren und Fristen ändern. In Regionen mit vielen Grenzpendlern, etwa um Aachen oder Passau, fragen Bankberater häufiger nach Karten mit Null-Prozent-Auslandseinsatz, was die Auswahl erleichtert.
Was nach zwölf Monaten zählt
Am Ende entscheidet nicht das Bewerberfoto auf der Karte, sondern die Zeile im Kontoauszug. Eine Karte ohne Jahresgebühr, die bei jedem Auslandsumsatz 1,75 Prozent abzieht, kann teurer sein als eine Karte mit 60 Euro Gebühr und sauberem Wechselkurs. Umgekehrt gilt: Wer kaum reist, für den ist die zweite Karte überflüssig, auch wenn sie im Vergleich gut aussieht. Zwei Karten sind für Vielreisende sinnvoll, eine für den Alltag und eine für Kaution und Ausland. Prüfen Sie die Bedingungen direkt beim Anbieter, bevor Sie unterschreiben, und schauen Sie nach einem Jahr auf die Abrechnung, ob die Teilzahlung wirklich ausgeschaltet ist. Der erste Schritt ist kleiner, als viele denken: ein Blick auf die letzten drei Kontoauszüge, dann wissen Sie mehr als jeder Werbeprospekt.